Durch wusel bin ich auf den Seagate Dockstar aufmerksam geworden. Das ist eigentlich eine Dockingstation für bestimmte externe 2,5″-Festplatten. Nur dass diese Dockingstation nicht einfach den USB-Anschluss durchschleift, sondern stattdessen einen GBit-LAN-Anschluss bietet und die eigenen Daten über die Cloud zur Verfügung stellt.
An und für sich ist das auch noch nicht das Killer-Feature. Aaaaber: Im Inneren des Dockstar werkelt ein sogenannter Plug Computer (Marvel Kirkwood mit 1,2 GHz, 128 MB DRAM). Uuuuund: Das Ding ist prädestiniert zum Basteln, denn es lässt sich relativ einfach ein Archlinux installieren, mit etwas mehr Aufwand die Distribution der eigenen Wahl (sofern sie die ARM-Architektur unterstützt).
Und das Schmankerl: Das gute Ding kostet neu mittlerweile nur 20 € zzgl. Versand (z.B. bei Atelco).

Ich habe also zwei davon bestellt. Einer kommt bei meinen Eltern an die FRITZ!Box, der andere bei mir. Dann jeweils eine 3,5″-HDD mit 2 TB Kapazität dran, damit ordentlich Platz ist. Ich plane nämlich, die Dinger als Fileserver für Backups laufen zu lassen. Inklusive Spiegelung der Daten auf dem jeweils anderen Dockstar. Somit habe ich eine räumliche Trennung gewährleistet, was im Brandfall (wollen wir es nicht hoffen) oder bei Einbruch-Diebstahl (die Erfahrung hatte ich leider schon) sehr hilfreich ist.
Bisher haben mich ja von einem permanent laufenden Server (alter PC) immer die Betriebskosten, Größe und Lautstärke abgehalten. Aber die 5 W Energieverbrauch des Dockstar (zzgl. HDD) bei einer Stellfläche von 86 x 85 mm sind superannehmbar. Und die Leistung passt offensichtlich auch bei 20 – 30 MB/s Schreiben über SMB (noch nicht selber getestet).
Mein derzeitiger Status Quo:
Ich bin mit dem Plugbox Linux basierend auf Archlinux nicht zufrieden und hätte lieber Debian oder Ubuntu auf den Dockstars. Das ist kein Ding der Unmöglichkeit, erfordert aber etwas mehr potentielles Nerd-Handwerk.
Es gibt nämlich speziell für den Dockstar keine fertige Distribution. Und eine Step-By-Step-Anleitung habe ich auch nicht gefunden. Also müssen die eigenen grauen Zellen etwas mehr angestrengt werden. So muss nämlich ein eigener U-Boot-Bootloader aus dem Quellcode gepatcht und kompiliert werden, da der Originale keinen USB-Boot einkompiliert hat (nur NAND und TFTP). Der eigene Bootloader wird dann vom Originalen aufgerufen (Chainloading). Wenn dabei etwas schief läuft muss der Dockstar geöffnet werden, um zum Debricken an die serielle Schnittstelle zu kommen.
Ist das Bootloader-Konstrukt lauffähig kann ein eigenes Linux von USB geladen werden. Bei Debian/Ubuntu lässt sich so ein Root-Filesystem, noch unter der originalen Seagate-/Pogoplug-Busybox, super mit debootstrap erstellen.
Soweit die Theorie. Die Praxis beinhaltet dann doch ein paar mehr Stolpersteine. Deshalb bin ich noch nicht ganz so weit. RootFS steht und läuft, das U-Boot muss aber noch gepatcht, gebacken und geflasht werden. Dann fehlt quasi “nur noch” die Einrichtung der Serverdienste und der Replikation 
Und damit andere von meiner Arbeit profitieren können, werde ich das ganze wohl auch in einer Anleitung niederschreiben. Dann gibt es nicht nur Archlinux und Gentoo, sondern auch Debian für den Dockstar.
Übrigens:
Das Marvell-Kirkwood-SoC kommt auch (aber nicht nur) in anderen Steckercomputern zum Einsatz (Pogoplug, Sheeva, Guruplug). Es bietet neben der Sheeva-ARM-CPU auch noch DDR2-Interface, PCI-Express, 2x GBit-LAN, SD-Card I/O, 1x USB 2.0, 2x S-ATA, S/PDIF- und MPEG-TS-Output, dazu 4-XOR-Einheiten (-> RAID-Beschleunigung), …
Alles in allem also ein sehr interessanter Chip